JPMorgan – warum ich jetzt verkaufe

Aktuell bin ich dabei, mein Depot ein wenig aufzuräumen und zu vereinfachen. Deswegen muss ich mich von JPMorgan leider trennen. Die Aktie ist bei mir gut gelaufen, hat mir Dividenden und 100% Kurswachstum gebracht. Nicht nur ich freue mich also hier – das Finanzamt auch 😉

Warum ich mich jetzt von JPMorgan trenne

Ich habe mich entschieden, meine Position in JPMorgan Chase & Co. zu verkaufen.
Nicht aus Angst, nicht aus kurzfristiger Panik und auch nicht, weil JPMorgan plötzlich ein schlechtes Unternehmen wäre. Ganz im Gegenteil. Genau das macht diese Entscheidung so erklärungsbedürftig.

JPMorgan ist hervorragend geführt, extrem profitabel und hat sich in den letzten Jahren als klarer Gewinner im Bankensektor gezeigt. Wer diese Aktie im Depot hatte, wurde belohnt. Auch ich.

Aber an der Börse geht es nicht darum, wie gut ein Unternehmen ist. Es geht darum, wie gut das Chance-Risiko-Verhältnis ab jetzt aussieht.

Und genau hier beginnt mein Umdenken.


Der Rückenwind für Banken lässt nach

Banken profitieren vor allem dann, wenn Zinsen steigen. Genau diese Phase haben wir hinter uns. Die großen Zinsschritte liegen zurück, die Inflation ist deutlich gefallen und die Zentralbanken befinden sich eher in einer Wartestellung als in einem weiteren Straffungsmodus.

Ob die Zinsen kurzfristig schon deutlich sinken, ist gar nicht der entscheidende Punkt. Entscheidend ist:
Der nächste große Schritt im Zinszyklus geht mit hoher Wahrscheinlichkeit nach unten, nicht nach oben.

Für Banken bedeutet das:

  • Nettozinsmargen geraten unter Druck
  • Kreditwachstum bleibt verhalten
  • Regulierung wird eher strenger als lockerer

JPMorgan wird damit besser umgehen als fast jede andere Bank. Aber auch JPMorgan kann sich dem Zyklus nicht entziehen.


Viel Positives ist bereits eingepreist

JPMorgan ist gut gelaufen. Sehr gut sogar. Das Unternehmen steht solide da, das Management überzeugt, die Dividende ist verlässlich. Genau deshalb ist die Aktie kein Schnäppchen mehr.

Wenn ich heute auf die nächsten ein bis zwei Jahre schaue, sehe ich:

  • begrenztes Kurspotenzial
  • solide, aber nicht überragende Ertragschancen
  • reale Risiken bei Konjunkturabkühlung oder regulatorischen Eingriffen

Das ist kein schlechtes Setup. Aber es ist auch kein Setup, bei dem ich weiteres Kapital mit Überzeugung gebunden halten möchte.


Warum ich Kapital lieber breiter einsetze

In dieser Phase des Zyklus halte ich breite ETFs für die bessere Wahl. Nicht, weil sie spektakulärer sind, sondern weil sie robuster sind.

Breite Indizes profitieren:

  • von sinkenden oder stabilen Zinsen
  • von strukturellem Wachstum in Technologie und Quality
  • von automatischer Sektorrotation

Ich muss nicht raten, welcher Sektor als Nächstes läuft. Ich lasse den Markt für mich arbeiten.

Im direkten Vergleich gefällt mir aktuell das Rendite-Risiko-Profil eines ETFs besser als das einer einzelnen Bankaktie – selbst einer so guten wie JPMorgan.


Kein Urteil über das Unternehmen, sondern über den Zeitpunkt

Mir ist wichtig, das klar zu sagen:
Das ist kein Abgesang auf JPMorgan. Ich halte das Unternehmen weiterhin für exzellent. Aber ich versuche, meine Entscheidungen nicht rückwärts zu rechtfertigen, sondern nach vorne auszurichten.

Gute Investments entstehen nicht nur durch das Kaufen, sondern auch durch das bewusste Loslassen, wenn das Verhältnis von Risiko und Ertrag nicht mehr stimmt.


Mein Fazit

Ich verkaufe JPMorgan nicht, weil ich etwas Dramatisches erwarte.
Ich verkaufe, weil ich den Zyklus respektiere und mein Kapital dort einsetzen möchte, wo ich in den kommenden Jahren ein stabileres Chance-Risiko-Verhältnis sehe.

Für mich ist jetzt ein guter Zeitpunkt, diese Position zu schließen und das Geld breiter und weniger zyklisch zu investieren.

Keine Anlageberatung. Nur meine persönliche Entscheidung.

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